Auch das Alter kann schön sein ...
Auch das Alter kann schön sein ......

von Alexandra Klostermann


Ich bin Jahrgang 1992 und heiße Annabell vom Klosterstift, werde aber „Bella" genannt. Habe in jungen Jahren so ziemlich alles erlebt, was einen Dackel glücklich macht. Habe 18 Kinder bekommen, na ja - fast alle Prüfungen im DTK gemacht, bin Gebrauchssieger 94 und Bundessuchensieger 96 geworden. Mit Frauchen zusammen sind wir bestes Hundegespann 1996 im DTK geworden, habe in und mit der Jagd viel zu tun gehabt und bin auch einiges rum gekommen. Frauchen sagt immer, ich bin die „ungekrönte Königin" im Norden. Aber in diesem Jahr, so kurz vor meinem 10. Geburtstag, da fing das Leben ja noch mal richtig an. So nach dem Motto „mit 66, da fängt das Leben an...!"

Fangen wir von vorne an. Nachdem wir im letzten Jahr umgezogen sind, eigentlich heißt es ja: „einen alten Baum verpflanzt man nicht", musste ich mich an einige Dinge neu gewöhnen. Treppensteigen, öfters ganz schnell ins Auto und los, neue Nachbarn, schrecklich blöde Hunde, ich musste abspecken (Sch..) und na ja, was so ein „neues Leben" halt so mit sich bringt.

Im Frühjahr ging es in Urlaub. Wir packten unser Auto bis übers Dach voll und fuhren ganz früh morgens los. Mit zwei Menschen und vier Hunden ging es in Richtung Schwarzwald. Neun Stunden im Auto und fast die ganze Zeit stillsitzen - na das fängt ja gut an! Wir hatten uns dort eine große Wohnung gemietet. Kaum dort angekommen, wird erst mal die Umgebung erkundet. Als erstes den Ziegen und Kühen „Hallo" sagen und denen klar machen, daß wir jetzt hier wohnen. Wir dürfen frei rumlaufen und genießen dieses nach der langen Autofahrt in vollen Zügen. Am nächsten Morgen fahren wir zum Feldberg und ich muss „Bergsteigen". Ich pfeife aus den Lungen. Aber mit der Zeit wird auch dieses besser und nun ist Frauchen am Pfeifen - ich ziehe sie den Berg rauf! Auf dem Feldberg liegt noch Schnee. Also bade ich im Schnee, außerdem jage ich Enten am Titisee, bade im Schluchsee, trinke das eiskalte Wasser am höchsten Wasserfall von Deutschland - in Triberg, durchquere das Höllental, das Hexenloch?!, fahre am Hirschsprung vorbei, jage Eichkater am Wasserfall in Todtnau, bestaune die Wassermassen vom Rheinfall von Schaffhausen. Um dort hinzukommen, mussten wir an der Grenze unsere Ausweise vorzeigen. Dort tat einer sich sehr wichtig damit, meinen Personalausweis (Impfpass) zu lesen. Ob er es verstanden hat - glaub ich nicht. Ich bin in den Weinbergen vom Elsaß herumgekrabbelt und habe in Frankreich meine Initialen hinterlassen. Nach 14 Tagen ging es wieder heimwärts. Auf dem Heimweg waren wir noch in Luxemburg und haben in der Mosel gebadet. Zu Hause wieder angekommen, habe ich Karl-Heinz noch bei der Jagd geholfen. Böcke aus dem Raps gesammelt. Menschen können nicht so gut riechen - aber ich bin ja da.

Inzwischen hat meine Tochter Choco Welpen und ich helfe bei der Kindererziehung. Diese jungen Mütter haben doch von nichts eine Ahnung !

Kaum das die Kinder weg sind, geht's wieder in den Schwarzwald. Dieses Mal nur für 10 Tage. Also wieder auf den Feldberg - Kondition testen! Frauchens Pfeifen ist noch nicht besser geworden. Ich bin fit - ratz fatz oben!! Leider diesmal kein Schneebad. Aber dafür ist am Kaiserstuhl Weinlese. Ich koste diese Trauben. Hmm - welch´ lecker´ Kost. Frauchen mahnt: „Bella, friss nicht zu viel. Dir wird schlecht." Ach, die Menschen wissen wirklich nicht was gut ist. Na ja, einer scheinbar doch. Ich genieße mit KH die köstlichen Früchte in allen Farben. Am nächsten Morgen habe ich dann doch wundersame Gefühle im Bauch. Nun wird wieder die Gegend erkundet. Ich fahre mit einer alten Dampflok, der „Sauschwänzelbahn" durchs Gutachtal, gehe zum Autorennen ins Münstertal, interessiere mich für riesige Kuckucksuhren, lerne „Bibiliekäs", „Brägele" und andere merkwürdige Nahrungsmittel kennen und durchquere den Bodensee mit einem großen Schiff. Auf der Insel Mainau werde ich dann bis auf die Knochen blamiert. Mein Freund Anton und Tochter Choco springen in jeden Brunnen und baden ausgiebig. Borsti zickt rum. Peinlich, sage ich Euch. Die vornehmen Leute bleiben schon stehen und lachen. Im Nu sind wir auf der ganzen Insel bekannt.

Es geht wieder heimwärts und merkwürdige Dinge geschehen. Ich muss dringend, so Frauchen, zum Tierarzt. Impfen ist angesagt. Dann werden zu Hause noch die Zähne gewienert, die Krallen gestutzt, das Fell geordnet und stehen geübt. Einfach lachhaft. Ich bin 10 Jahre und die meint ich muss stehen üben! Frauchen erklärt mir, sie hat mich zur Landessieger-Zuchtschau gemeldet, „inne Rentnerklasse"!! Naaaa-toll ! Ich und Ausstellung - das habe ich schon immer gehasst wie die Pest. Und nun muss man sooo alt werden, um dieses Theater noch mal über sich ergehen zu lassen. Na ja, woll´n mal nicht so sein. Also, ab in die Rentnerklasse. Der Richter ist begeistert von mir: „Bildschöner Hund und wie alt? Na donner Wetter, da haben Sie aber ein edles Stück!" Ich wachse! Und weiter mit Komplimenten: „ Edler Kopf, vitale Hündin, erstklassige Körperbehaarung, vollzahnig im Gebiss und ... kann sich mit jüngeren Hündinnen noch messen !!" (wie heißt der alte Schlager?: „schöne Annabell....) Ich den Kopf so hoch wie ich nur kann - man bin ich stolz ! Renne so gut ich kann - war aber immer schon ein wenig langsam. Frauchen erzählt mir Geschichten von Hasen, Rehen und irgendwelch anderem Quatsch. Wir landen auf dem 1. Platz. Na, wenn das nicht gut ist. Nun müssen wir noch in den Ehrenring gegen andere Veteranen laufen. Da sind noch zwei langhaarige Küken (erst 8 Jahre alt) und noch eine andere in meinem Alter. Hat nicht viel in den Papieren, wohl nur Ausstellungserfahrungen. Bewegt sich natürlich ganz anders als unsereins, die ihr Leben lang gearbeitet hat und auch jetzt noch im „Rentenalter" kräftig am Malochen ist. Der wichtige Herr meint aber, daß diese besser aussieht als ich und sich besser bewegt - pah, soll sie doch, wenn der meint ! Es soll auch Menschen geben, die im hohen Alter nicht mehr so flott auf den Beinen sind. Das sollte niemand vergessen.

Nun ist Hauptjagdzeit - meine Zeit! Meine Kinder sind zwar auch schon gut, habe sie schließlich auch gut angelernt. Aber für wichtige Dinge bin immer noch ich zuständig. So auch eines Morgens.

Es ist ein düsterer Novembermorgen, ganz früh um sechs Uhr morgens. So gar nicht meine/unsere Zeit. KH springt aus dem Bett und meint: „Will jemand mit?" Frauchen nölt rum, Borsti und Choco drehen sich noch mal in die Federn und ich tue so, als wenn ich nichts gehört habe. Also fährt er alleine los. Wir schlafen alle noch mal ein. Irgendwann klingelt das Telefon. Frauchen wird hektisch: „wer will mit?" Die Kinder kreischen: „Ja wir, wir kommen mit." Na, was soll denn das? Mir wird die Bettdecke weggerissen. Frauchen: „Hey, Bella komm. KH braucht Dich. Verwund suchen." Hm, na ein Auge aufmachen kann ich ja mal. Sie zieht mich unter der Decke vor und lacht: „Na, meine Kleine, noch nicht wach. Wie sieht denn dein Bart aus. Völlig verknickt." Na, wenn Frauchen mal in den Spiegel schauen würde, könnte sie erkennen, daß auch sie an diesem Morgen keine Schönheit ist. Haare stehen hoch wie nach ´nem Stromschlag. Ich werde ins Auto getragen. Borsti und Choco sind hellwach - wie grässlich. Wir fahren los. Ich kuschele mich auf den Vordersitz und schlafe weiter. Nach einer gewissen Zeit fängt Borsti das Schreien an. So kreischt er eigentlich nur, wenn wir kurz vor dem Revier sind. Also, werde ich jetzt mal beide Augen öffnen. Tatsächlich, und Frauchen hat ja die Jagdklamotten an ! Dann muss es wirklich wichtig sein, ich bin schlagartig hellwach. Schon sind wir im Revier, wo wir von KH erwartet werden. Er schildert die Situation und wir fahren zur Kanzel. Dort dürfen wir alle noch mal kurz laufen und dann werden Borsti und Choco wieder eingeladen. Ich bin noch bei meiner Morgentoilette und Frauchen fragt: „Na, Bella, bist Du fertig. KH wartet, wir wollen Verwund suchen." Oh, Verwund - hinten abklemmen, der Rest kann warten. Und los geht es. Wo ist meine Leine? Frauchen hat aus meiner Leine ein „Makrameemuster" gedreht. Kann die nicht in die Hufe kommen. Hier ist was Interessantes für meine Nase, ich muss los. E n d l i c h, wir gehen zu dem Acker, wo das Malheur passiert ist. Schnupper - oh, jede Menge Fährten und hm, ganz frisch. Mist, Frauchen hat es gemerkt und ich werde angefaucht. „Zur Fährte Bella, such Verwund." Aber was die wohl denken - hab ich doch schon lange in der Nase. „Schweiß", bestätigt Frauchen, „nochmals Schweiß". Wir ziehen über die Wiese und nach einer kurzen Weile, im dichten Gestrüpp, liegt ein Damkalb vor mir. Ich fasse erst mal ordentlich rein - man kann ja nie wissen. Nicht daß das wieder weg will - ich halte fest. Nun kommt KH und nimmt es übern Zaun. Ich werde kräftig gelobt und genieße es in vollen Zügen. Pah, war doch ein Klacks. Die Menschen hätten es natürlich nicht gefunden. Aber wozu habt ihr denn mich? Nun werden meine Kinder geholt. Die Bagage will doch wohl nicht an m e i n Stück. Na, denen wert ich... Frauchen nimmt mich schnell auf den Arm. Aber mein doch noch so schönes „vollzahniges" Gebiss wird in seiner waren Pracht gezeigt !!

Nachdem das Stück versorgt ist und ich aufgepasst habe, das es auch mit in den Kofferraum „meines" Autos kommt, muss ich noch kurz meine Morgentoilette beendet. Nun aber ab ins Auto und mich wieder auf meinen Sitz kuscheln. Nach einem ausgiebigen Frühstück zu Hause, bin ich dann aufs Sofa und habe die angebrochene Nacht nachgeholt. Man ist ja schließlich nicht mehr die Jüngste ......! Ach, ist das Alter doch schön.
Eure Bella
 
Choco´s 1. Mal ...
Mein vorweihnachtlicher Alptraum - Choco´s 1. Mal !
A. Klostermann
Ich möchte Ihnen heute einfach mal erzählen, welch "Alptraum" einer Züchterin so passieren kann.

Meine kleine schokobraune Rauhhaarzwergteckelhündin, Namens „Chocolady", hatte sich entschlossen Anfang Dezember noch läufig zu werden. Sie wird im Februar drei Jahre alt, und sollte nun bei dieser Hitze belegt werden. Da in Norddeutschland kein passender Deckrüde steht, suchte ich schon vor einiger Zeit in der „Hochburg" für die Rauhhaarzwergteckelzucht - im Kohlenpott! Ich hatte hinter Neuss etwas Passendes gefunden. Nun setzte ich mich mit der Rüdenbesitzerin in Verbindung. Diese und der Rüde Namens „Elton" freuten sich auf das ungewöhnliche Weihnachtsgeschenk (es sollte Elton´s erstes Mal werden!). Was aber eigentlich kein Hindernis sein sollte - ich habe selber einen Deckrüden und bin mit allen Missgeschicken, die so passieren können, vertraut.

Also mit Choco zur vorgeschriebenen Augenuntersuchung und zur Blutabnahme für die Decktagbestimmung. Augen ok - Decktag lässt noch auf sich warten. Ich bin selbständige Schneiderin und teilte mir die Arbeit so ein, daß, wenn das Startzeichen vom Tierarzt kommt, ich alles stehen und liegen lassen und sofort losfahren kann. Alle Jagdeinladungen wurden vorerst abgesagt und auch meine Tennisrunde mußte auf mich verzichten - denn Choco hatte nun absoluten Vorrang. Am Montag, den 18.Dez. immer noch kein grünes Licht für meine Reise. Ich hetzte durch die Läden - die Weihnachtseinkäufe mußten noch erledigt werden. Es hatte sich über die Feiertage mal wieder meine Verwandschaft bei mir eingeladen. Also mußten genügend Lebensmittel im Hause sein. Ach ja, noch Geschenke einpacken. Zwischendurch immer wieder zur Blutabnahme. Die Tierarztpraxis lächelte schon - „Na, Frau Klostermann. Wollen wir denn Heiligabend im Kohlenpott verbringen?" Mir wurde schon ganz mulmig. Doch Dienstagabend fand mein Borsti e n d l i c h Interesse an Choco. Nächsten Morgen erneuter Bluttest. Bis 12 Uhr banges Warten - dann die Erlösung! Sie können fahren! Überall schnell Bescheid gesagt, noch etwas Einkaufen für meine Männer und dann los. Ich holte eine befreundete Züchterin ab und so gegen 20.30 Uhr waren wir am Ziel.

Die Hunde fanden sich zum Ablecken. Der Rüde putzte meine Choco. Sie zeigte ihr bestes Teil und ermunterte den Rüden unaufhörlich. Nur dieser wollte partout nicht aufsitzen. Er kaute ihr lieber an den Ohren und zog am Fell im Nacken. Sie weinte schon. Dieses Spielchen ging eine ganze Zeit so. Mir schwanden so langsam die Sinne. Alle Bemühungen, den Rüden zum Decken zu bewegen, scheiterten kläglich. Er zeigte uns freundlich lächelnd, aber bestimmend knurrend, was er von dem Ganzen hielt. Choco stand wacker ihre „Frau". Das Ehepaar hatte noch einen zweiten Rüden. Mir war es inzwischen egal, wer Choco deckte. Aber dieser war noch schlimmer. Er hüpfte und hampelte an Choco nur herum. Wir wussten uns inzwischen keinen Rat mehr. Choco immer noch unermüdlich, machte inzwischen beide Rüden an. Gegen Mitternacht entschlossen wir uns diesem schlechten Traum ein Ende zubereiten. Wir fuhren in unser Hotel - am A.... der Welt. Alles stockdunkel, in irgendeiner Einöde am Rhein. Totmüde, nicht mehr fähig großartig zu denken, schliefen wir ein.

Am nächsten Morgen durch die innere Unruhe geweckt, sprang ich auf und entschloss mich, über unseren Dachverband in Duisburg, an die Telefonnummer einer bekannten Züchterin in Unna zu gelangen. Gesagt - getan, Telefonnummer hatte ich. Jetzt die Gedanken - wenn die mich nun abblitzen lässt, mit - Ihr Rüde ist doch kein Notnagel. Ich rief ganz kleinlaut dort an und schilderte ihr meine verfahrene Situation. Sie zeigte erfreulicher Weise gleich Verständnis für meine Notlage und bat mich so schnell wie möglich zu kommen. Noch schnell frühstücken und das Zimmer für die zweite Übernachtung absagen. Dann machten wir uns auf die Reise - eine Rundfahrt durch den Kohlenpott. Neuss - Düsseldorf - Duisburg zur Hauptstelle, noch Material holen - weiter nach Unna. Um 12.30 Uhr trafen wir in Unna ein. Die Züchterin hatten wir schnell gefunden. Der Rüde kam, sah Choco - sie die Rute zur Seite, er Anlauf - und alles war passiert. Die beiden kosteten das Liebesspiel 50 Minuten aus.

Glücklich, daß es so einfach! klappte, machten wir uns auf den Weg - wir hatten für diese Nacht noch keine Unterkunft. Einige Hotels hatten schon Weihnachtsferien, andere waren so teuer, daß wir dachten, wir haben Anteile am Hotel erstanden (190 DM + Hund fürs DZ). Gegen 16 Uhr hatten wir etwas Passendes gefunden und entschlossen uns, den Weihnachtsmarkt in Unna zu erkunden. Inzwischen war es klirrend kalt. Wir waren aber irgendwie nicht winterfest angezogen. Weder Handschuhe noch Mütze oder Schal im Gepäck. Uns war so kalt, daß wir uns nicht einmal trauten die Hände aus den Taschen zu nehmen, um damit den Becher Punsch zu halten. Also ließen wir es. Nun suchten wir ein Lokal - wir hatten einen Bärenhunger. In Unna gibt es in der Innenstadt einen „Ring". Diesen bekamen wir zufassen und konnten ihn aber nicht wieder verlassen. Dreimal landeten wir am Hotel und dann wieder am Weihnachtsmarkt. Im Hotel gab es auch kein warmes Essen mehr, da dieses am nächsten Tag auch in Ferien ging. Irgendwann erspähten wir den „Deutschen Hof"! Nichts wie hinein. Wir bekamen endlich unsere warme Mahlzeit. Am Tag davor hatten wir im Eifer des (Nicht-)Gefechtes nichts zu Essens abbekommen.

Satt und inzwischen ein wenig müde, steuerten wir gegen 18.30 Uhr unsere Bleibe an. Wir hatten uns mit Getränkedosen und Naschkram eingedeckt. Unser Zimmer hatte einen Fernseher. Nun wollten wir es uns gemütlich machen. Mit Choco noch mal pieseln, raus aus den Klamotten, in die Nachthemden und um 19 Uhr lagen wir in die Falle. Wir zappten noch durch die Programme, das Naschen in der Besucherritze verteilt und die Getränkedosen gingen rum. Schnell waren unsere Vorräte erschöpft, so daß wir noch die Minibar plünderten. Kostenlos natürlich!!

Am nächsten Morgen, nach einer s e h r gut geschlafenen Nacht, war das Erschrecken groß. Draußen alles weiß. Minus 6 Grad! Auto völlig zugefroren. Aber schlimmer, unsere edle weiße Damastbettwäsche voller kleine Blutflecken. Choco war in der Nacht zu uns in die Betten gehuscht und ... na ja! Wir gingen erst einmal zum Frühstücken und fanden heraus, daß die Wirtin nach einer Knieoperation mehr wie schlecht zu Fuß war. Wir - als hilfsbereite Menschen, nahmen ihr die Arbeit des Betten abziehen natürlich ab. Die schmutzige Bettwäsche wurde dezent so zusammengelegt, daß von unserem befleckten Maleur nichts mehr zu sehen war. Hihi!!!

Nun schnell Auto packen und vom Eis befreien, welches sich als schwieriger erwies, wie gedacht. Ich hatte natürlich auch keinen anständigen Eiskratzer mit. Nur so eine, wie sagte Ulla, „kleine Patsche"! Naja auch langsam kommt man vorwärts. Nach einiger Zeit war das Auto frei - meine Hände zu Eis erstarrt. Nach knapp 200 m war das Auto schon wieder zu. Komplettes Gebläse auf Hochtouren (unsere Haare wirbelten durcheinander) und dann los. Der Rüde wartet schließlich !!!

Er - Namens „Xorro" - durfte ja heute gleich noch einmal sein vorweihnachtliches Geschenk genießen. Auch an diesem Tag ein spontaner Deckakt, der mit 50 minütigem Hängen endete. Anschließend hatte uns die Züchterin noch zu einem gemeinsamen Frühstück und Teckelklubplausch! eingeladen.

Wir machten uns auf den Heimweg. Die gesamte Heimfahrt wurden wir von Glatteiswarnungen, Schneefällen und schweren Unfällen hinter uns verfolgt. Aber wir waren Gott sei Dank immer einen Schritt voraus. In Soltau machten wir noch einen Stop auf dem Weihnachtsmarkt - unsere Geldbörsen waren noch nicht ganz leer und dem konnte geholfen werden. Abends um 21.30 Uhr war ich wieder zu Hause, Freitag, der 22.12.! Noch zwei Tage, dann war Heiliger Abend und was hatte ich noch zu tun.

Nun kann ich nur hoffen, daß meine Kleine nicht von dem anderen Theater in Neuss so sauer war, daß sie nicht aufgenommen hat. Na - in einigen Wochen werde ich es wissen.

Man, was für ein Alptraum den ich da erlebte. Das zu der sich von mir vorgestellten „ruhigen Adventszeit" und der „besinnlichen Weihnacht"!! Aber lustig war es doch - im Nachherein betrachtet.
 
Aber bitte stillsitzen ...
Jagdimpressionen
von A. Klostermann

I
ch war lange verhindert mit zur Jagd zu gehen. Mal schmerzte der Rücken, daß mir das Sitzen unerträgliche Schmerzen bereitete, mal war wieder mein Arm dran schuld, mal war es Dies mal war es Das. Ich war es leid immer Ausreden haben zu müssen.

Also eines Tages schnappte ich mir meine Teckel und so fuhren wir ins Revier. KH schob sich im Wald ein und ich ging in eine große Kanzel, die auf einer Wiese mitten im Revier stand. Die Kanzel war groß genug, daß ich mich im Notfall auch hinlegen konnte und tief genug, daß die Hunde allein einsteigen konnten.

Also machten wir uns breit. Das Wetter war fantastisch. Schöne laue Luft und toller Sonnenschein. Als erste bemerkte Choco die bequeme Sitzauflage, die über die ganze Bank verteilt war, fast 1,80 m lang. Also wurde draufgesprungen. Borsti folgte. Bella war mit KH gegangen. Es wurde sich zusammen gerollt und in kurzer Zeit hörte ich tiefe Schnarchgeräusche. Von Zeit zu Zeit nahm ich das Glas hoch und hielt Ausschau nach Wild. Nichts. Dann wurde Choco aufmerksam. Sie nahm ihre Nase hoch und steckte sie in Richtung rechtes Fenster. Sie fing ordentlich an sich Wind zu holen. Ich dachte, musst doch mal schauen. Nach einer kurzen Weile trat eine Ricke mit einem frischgesetzten Kitz auf die Wiese. „Mein Gott, was niedlich" dachte ich laut. Das Kleine war noch ganz wackelig auf den hohen Beinen. Mutter Ricke legte ihr Kitz ins hohe Gras, keine 40 m von mir entfernt. Ich machte meine heute mitgebrachte Waffe, den Fotoapparat, scharf, und wollte versuchen ein Foto zu schießen. Da klingelte das Handy. „Sch ... „!, dachte ich. Aber die Ricke störte es überhaupt nicht. Ein leises Gespräch wurde schnell beendet. Nun griff ich wieder zum Fotoapparat, dabei knarrte leise die Bank, und die Ricke sprang in hohen Fluchten ab. Es dauerte vielleicht 2-3 Minuten, da stand sie wieder vor mir. Choco und Borsti standen inzwischen am Fenster und glucksten und zitterten vor sich her. Borsti stieß mich mit der Nase an, so nach dem Motto „Frauchen, da steht ein Reh, siehst Du es nicht?" Er wusste, daß nun eigentlich etwas Anderes passieren müsste. Inzwischen wurde Choco wieder unruhig. Mein kleiner „Feuermelder" hatte wieder was in der Nase. Und richtig, auf der anderen Seite trat wieder eine führende Ricke aus. Das Kitz schon etwas kräftiger und älter. Nun stand an jeder Seite ein Teckel und starrte auf die Rehe. Ich war begeistert, wie meine Zwerge diese Nervenanspannung meisterten.

Ich konnte noch eine ganze Weile die „Mütter mit ihren Kindern" beobachten und stellte viele Parallelen zu meinen Hunden fest, wenn sie Welpen hatten. Es wurde das Waidloch geputzt, das Kleine von allen Seiten betütert und Mutter war bereit und großzügig, wenn man an ihr rumstieß. Bei solch nahegehenden Eindrücken verfiel ich ins Nachdenken.....
Borsti und Choco
Hannah
.... Es ist noch nicht lange her, daß wir fast täglich zu Wildunfällen gerufen wurden; das wir „breitgefahrenes Wild" von der Straße „kratzen" mussten. Wie oft tat es weh zu sehen, wie die Waffe „Auto" so eine Kreatur hingerichtet hatte. Was doch für ein humaner Tot durch des Jägers Kugel !! Jedes Mal wenn die Polizei uns anrief um wieder einen Wildunfall zu melden, und sagte „es ist ein Reh", hofften wir immer „lass es bitte keine tragende Ricke sein". Die Ricken standen kurz vor dem Setzen und wir stellten uns nichts schlimmeres vor, als die Ricke aufzubrechen und uns kommt dann das Kitz entgegen. Schrecklicher Gedanke !!

Diesesmal holte mich Borsti aus meinen Gedanken zurück. Das nächste Stück Wild trat auf die Wiese .....................

Liebe Leser, alle die ein Auto fahren. Denken Sie bitte daran, wir gehen auf die Blattzeit zu. Die Böcke sind liebeshungrig und huschen blind vor „Tatendrang" über die Straße. In vielen Gegenden wechselt das Damwild, das Schwarzwild und das Rehwild die Straßenseite. Wenn an der Straße ein Schild „Wildwechsel" steht oder im Herbst nachher die Warnschilder „Brunft", fahren Sie bitte langsam. Sie gefährden nicht nur die Tiere sondern auch sich selber. Die Schilder stehen nicht zum Spaß dort. Denken Sie mal drüber nach !
Borsti und Hannah
Das ist des Jägers Ehrenschild,
das er hegt und schützt sein Wild,
Waidmännisch jagt wie sich's gehört,
den Schöpfer im Geschöpfe ehrt.
(Otto v. Riesenthal, 1848)